Theater in Polen

Zwölf Theaterschüler/innen der Oberstufe waren vom 30.09. bis 04.10.2013 in Stettin und an der Ostsee.

Montag

Unsere Reise nach Polen begann am Montagmorgen um 0.01 Uhr. Alle waren äußerst aufgeregt und angetan von unserem bevorstehenden Abenteuer.

Die erste von vier (!) Zugfahrten dauerte fünf Stunden, bis wir erstmals in Naumburg (hä? Wo?) umstiegen. Die Meisten machten vor lauter Aufregung kein Auge zu, lieber wurde geredet oder Pokèmon gespielt. Der zweite Zug kam 10 Minuten zu spät, doch unsere Stimmung verschlechterte sich gar nicht. Die Müdigkeit wurde lediglich größer und alle gingen auch im zweiten Zug nicht schlafen. Nach zwei weiteren Stunden Fahrt kamen erstmals größere Komplikationen. Wir fuhren nicht planmäßig nach Berlin-Gesundbrunnen, sondern zum Hauptbahnhof, denn die Lok war unplanmäßig klein und hätte den Zug aus keinem der „tiefergelegenen“ Bahnhöfe wieder hochziehen können. Also noch eine weitere Stunde warten und zweimal umsteigen und schwupps waren wir nach 12h-Fahrt in Stettin.

In Stettin angekommen, wurden wir sehr herzlich vom polnischen Schüler Damian und seiner Deutschlehrkraft Joanna Hanf, Frau eines deutschen Geschichtslehrers und selbst erst seit einigen Jahren in Stettin lebend, begrüßt.

Wir fuhren mit der Straßenbahn kreuz und quer durch diese große Stadt (500 000 EW, aber eine Ausdehnung wie München) und wurden durch die Schule geführt, wobei wir Einblick in den polnischen Schulalltag (es gibt dort z.B. Sportklassen, die segeln, und auch eine Militärklasse) erhielten. Nach einer Sketchparade auf der Bühne der Schulaula (polnisches Musical – deutsche Frau von früher in 10 Minuten) fuhren wir zuletzt zu unserem schönen und ruhigen Hostel.

Halt! Nicht zu vergessen unser Stadtrundgang – beginnend im Stadtpark, in dem Johannes Paul II. in den Tagen der Solidarnosc bejubelt worden war, vorbei an einem der beiden alten Stadttore, dem pommerschen Schloss, die Oder entlang, vorbei an der Haken´schen Brunnenterrasse und zum Schluss in ein bis 22.00 geöffnetes Einkaufszentrum.

Dienstag

Nach dem Frühstück – die letzte der drei Mahlzeiten, die wir in einem Internat für Hörgeschädigte zu uns genommen haben; Essen wie Ambiente erinnerten stark an den „vergangenen Sozialismus“ – begaben wir uns früh am Morgen auf den 100km-Weg nach Miedzywodzie (Gott sei Dank diesmal in einem Kleinbus), wo uns bereits die 80-köpfige polnische Gruppe und 10 weitere tschechische Gäste, verkleidet als Beamte des Federal Bureau of Investigation, erwarteten. Somit perfekt eingestimmt auf das Theatergeschehen, mischten sich schnell die Gruppen und Freundschaften wurden geknüpft. Die neuen Beziehungen wurden dann auch noch während ersten Theaterversuchen, Kennenlernspielen, Sportwettkämpfen à la „Spiel ohne Grenzen“ und einer mehrstündigen Dünenwanderung (was für ein herrlicher Strand!) vertieft. Immer nach dem Motto „Hollywood in Polen“. Auch während der nächtlichen Wanderung waren wir quasi stets auf der Suche „nach den Sternen“

Mittwoch

Frisch und munter nach den Anstrengungen der letzten Nacht stiegen wir bereits direkt nach dem Frühstück in den Bus Richtung Miezyzdroje, mit zwei Zwischenstopps. Das erste Mal in Nähe einer idyllisch gelegenen Aussichtsplattform, mit Blick von der Steilküste 100m hinab auf den endlosen Sandstrand der Ostsee und die deutsch-polnische Grenze. Danach ging es weiter in einen Wildpark, in dem wir unter anderem ein Wisent und einen Hirsch beobachten konnten – beeindruckende Tiere. Schließlich erreichten wir die polnische Stadt (gleichzeitig das deutsche Rentnerparadies) Miezyzdroje, in der wir ein Wachsmuseum besuchten und lauter verrückte Fotos schossen. Die Mole dort ragt mehrere Hundert Meter ins Meer und ihre Geschichte ist eng verbunden mit Industrialisierung, Kaiserreich, Krieg, Sozialismus und Re-Kapitalisierung.

Wieder zurück auf der Freizeitanlage teilte sich die deutsche Gruppe, um sich je mit polnischen Schüler/innen wieder „aufzufüllen“. Die eine Hälfte erhielt Tanz-, die andere Sportunterricht. Nach diesen körperlichen Betätigungen trafen sich alle, Polen wie Deutsche wie Tschechen, im Außenbereich zur Begrüßung von „Pis Bossmann“, dem polnischen Schulleiter. Nach einer kurzen Rede gab es anschließend noch eine offenbar wahnsinnig unterhaltsame „Pressekonferenz“, die leider ausschließlich auf Polnisch gehalten wurde …

Am Abend wurde das Lagerfeuer entzündet, eines der vielen Highlights unserer Reise. Es wurden verschiedenste Filmmusiken, in Form von Tanz und Gesang, vorgestellt, wobei „wir“ unser Lied „Love is a killer“ vortrugen. Als zusätzliche Unterhaltung diente ein Nachtlauf, eine Art Schnitzeljagd, in der wir Fragen zum Thema Hollywood beantworten mussten. Den krönenden Abschluss bildete für uns jedoch die anschließende, unter freiem Nachthimmel stattfindende Party. Eine super Gelegenheit für uns die polnischen und tschechischen Tanzstile auszuchecken. Als letzter Termin in dieser wundervollen Nacht stand nur noch die Vorbereitung für die Überraschungsparty unseres Geburtstagskinds Sophie an. 🙂

Donnerstag

„Einem arglistigen Täuschungsmanöver erlegen, ging ich zunächst um halb 12 etwas geknickt ins Bett und fiel aus allen Wolken, als plötzlich eine laute Meute mein Zimmer stürmte. Ich wurde wider Erwarten mit Geschenken, Kuchen und Geburtstagsglückwünschen überhäuft und es begann eine äußerst amüsante Nacht, die erst im Morgengrauen endete. Etwas erschöpft von der langen Feierei, gab es ein ausführliches Frühstück mit Geburtstagstorte für uns alle und ein liebes Ständchen auf Polnisch. Später ging es dann weiter mit Sport und Tanz, worauf ein Kunst- und ein Theater-Workshop folgten. Wir kreierten dabei aus Tonpapier, Krepp und einigen weiteren Materialien Plakate und Kostüme und studierten zusammen mit einigen der polnischen Schüler ein kurzes Theaterstück, halb auf Deutsch, halb auf Polnisch ein. Gestärkt von einem sehr leckeren Mittagessen machten wir uns auf den Weg zur „Schatzsuche“ am Strand, in anderen Worten, zum fröhlichen Ausbuddeln goldener Nüsse mit den Händen. Wie aus dem Nichts, stießen wir dann nach einigem verzweifelten Suchen auf eine „Gold“-Ader, (ein nahestehender Eimer mit übrig gebliebenen Nüssen, die wie von selbst in unseren Strandabschnitt wanderten), die uns schließlich den zweiten Platz bescherte 🙂 . Zurück in unserer Unterkunft führten wir dann am Abend unser kleines Theaterstück und unseren Tanz auf und sahen uns die Produktionen der anderen Gruppen aus Polen und Tschechien an. Ein Ende fand dieser sehr vergnügliche Abend in einem „Gala-Ball“ mit Oskarverleihung (im polnischen heißt der Lümmel tatsächlich Oskarek) und einer Abschiedsparty.“

Freitag:

Die lange Rückreise bot uns ausgiebig Gelegenheit zu analysieren, zu feiern und zu trauern …

Wo man mit Theater so überall hinkommt …

P.S.

Liebe Polen,

Danke für …
… kalte, aber dennoch lange und lustige Nächte, kreative Versuche der Kommunikation trotz kleiner Sprachschnittmenge, leckeres Essen (mit Kraut in allen Arten), prima Unterkünfte und viel, viel Gastfreundschaft!

Autorin: Sophie Hoderlein (Q12)



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