Ein Morgen vor Lampedusa

Ein Morgen vor Lampedusa
Szenische Lesung mit der Mittelstufentheatergruppe des COG

lampedusa

„Wir schrien sie an, dass sie nicht aufgeben sollten. Sie starben uns einfach weg, versanken im Wasser mit offenen Augen.“ Mit diesen Worten beschreibt der Fischer Raffaele aus Lampedusa seine Erinnerungen an die Flüchtlingstragödie vor der Mittelmeerinsel am 3. Oktober 2013. Antonio Umberto Riccò hat aus dieser und weiteren Zeugenaussagen die Textvorlage für eine szenische Lesung erstellt, die am Donnerstag, den 17.12.2015, von der Mittelstufentheatergruppe des Carl-Orff-Gymnasiums in Zusammenarbeit mit dem Helferkreis Asyl Unterschleißheim im vollen Saal des Jungendzentrums Gleis 1 aufgeführt wurde.

Dafür hatten sich die ganz in schwarz gekleideten Schülerinnen und Schüler im Raum verteilt, sich unter das Publikum gemischt und so ihre Zuhörer wirklich mitgenommen. Von verschiedenen Bühnen verteilt wurden die Texte der Fischer voller betroffener Emotionalität präsentiert. Dazwischen sprach auf der Bühne ein Erzählerchor die erklärenden Zwischentexte, einzelne Passagen wurden chorisch wiederholt und dadurch verstärkt. Beim Publikum erreichten sie damit eine Berührtheit, die den Texten gerecht wurde.

In der Lesung geht es um den Untergang eines völlig überladenen Kutters mit 545 Flüchtlingen am 3.Oktober 2013. 366 Menschen sind ertrunken, obwohl die Fischer von Lampedusa unter Einsatz ihres Lebens versuchten, so viele wie möglich zu retten. Riccó mischt für seine Lesung Aussagen der geretteten Flüchtlinge mit den Erinnerungen der Fischer und offiziellen Äußerungen der Politik. Bereits 128 Mal wurde die Lesung, die von der hannoveranischen Projektgruppe „Mein Herz schlägt in Lampedusa“ initiiert wurde, in Deutschland zur Aufführung gebracht. Dabei werden die beeindruckenden Texte begleitet von einer Bildershow, die Rettungsmaßnahmen vor Lampedusa seit 2010 zeigt. Diese sind unterlegt mit Musik, die der italienische Musiker Francesco Impastato eigens für dieses Projekt komponiert hat.

Im Anschluss an die Lesung moderierte Julia Mornhinweg vom Helferkreis Asyl ein Publikumsgespräch. Darin erklärten Theaterlehrerin Steffi Höcherl und Schüler Jonathan Specht, dass das Projekt für die Schüler der Mittelstufentheatergruppe, die die 8.-10. Klasse des Gymnasiums besuchen, durchaus eine Herausforderung darstellte. Arbeitetet man doch sonst eher an lustigen Themen, bearbeitet und illustriert Texte, so war die Gruppe bei dieser Lesung an ein enges vorgegebenes Konzept gebunden und von der Schwere der Thematik beeinflusst. Dennoch schafften die jungen Schüler es, sich in die Rollen einzufinden und die Texte angemessen zu interpretieren. In dem Publikumsgespräch stellte auch der Helferkreis Asyl Unterschleißheim seine Arbeit vor. Zurzeit, so berichteten Heidrun Vollmer und Brigitte Schlicht, werden etwa 70 Asylsuchende im Wohnheim und etwa 300 in der Turnhalle der FOS betreut. Der Helferkreis, der im Moment etwa 60 Mitglieder hat, gibt neben Materialspenden Deutschunterricht und hilft den Flüchtlingen bei Behördengängen. Daneben werden auch Freizeitaktivitäten organisiert. Auch hier wird mit dem Carl-Orff-Gymnasium zusammengearbeitet, in dem sich ein Projekt-Seminar mit dem Thema „Flüchtlinge“ beschäftigt und nun jugendliche Asylsuchende im Jugendzentrum trifft, mit ihnen spricht, kickert oder Billard spielt.

An dem Abend wurden Spenden in Höhe von über 500 € eingenommen, die der Helferkreis in Materialien für den Deutschunterricht investiert.

Weitere Infos findet man unter: http://www.lampedusa-hannover.de/

 

 

Impressionen:

Fotos: Daniel Hellmich

 

Pressebericht

LLA, 26.12.2015

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