| sea.sons@nd daughters oder Neues aus dem Haifischbecken |
Eigenproduktion mit Texten von Ovid und Johann Wolfgang von Goethe
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TheaterkritikVon Anfang an in den Bann der Sinnenreize dieser Inszenierung gezogen, bleibt dem Publikum am Ende nur basses Staunen. Die Aufführung sea.sons@nd daughters des Michaeli-Gymnasiums aus München, eine Collage aus Goethes "Proserpina" und Ovids "Metamorphosen" bzw. "Raub der Proserpina" sowie einigen weiteren Texten, überzeugt vor allem durch die Kombination aus Video- und Musikeinspielungen, sowie durch ausdrucksstarke Choreographien und Regieeinfälle. Der Theatergruppe gelingt es, durch Mischung aktueller Themenstellungen mit Zitaten aus klassischen Texten aus dem Umfeld des Proserpina- und Demeter-Mythos und durch technisch mediale Kabinettstückchen schließlich sogar die Allgegenwärtigkeit der "Genderfrage" darzustellen. So entsteht ein durchaus faszinierend collagiertes Stück, in dem die Texte nie bloß aufgesagt wirken, sondern im Kontext einfallsreicher, witzig mit allen denkbaren Medien - sogar dem iPhone- spielenden Gestaltungselementen eine mitreißende und überzeugende Aufführung zustande bringen. Ovid wird lässig zitiert, Goethes Faust zuerst herbeigeredet, dann beschimpft, das Internet befragt, bis schließlich Zeus die Jahreszeiten, den Gang der Welt, so eingerichtet hat, wie wir ihn kennen. Zusätzlich zur schauspielerischen Leistung müssen auch die Musiker, Komponisten und vor allem die Sänger/-innen bewundert werden; die opernartig zugespielte Musik untermalte nicht nur die Szenen, sondern verleiht ihnen eine zusätzliche Bedeutungsebene, die auf der Charakteristik der Instrumente (Bläser, Saiteninstrumente etc.) beruht und die Jahreszeiten symbolisiert. Manch ein Zuschauer ist von den literarischen Elementen, die nicht immer mit der gewünschten Textverständlichkeit dargeboten sind (Ausnahme: die wunderbare Darstellerin der Demeter) überfordert. Die überbordende, oft in den Vordergrund tretende Mediengläubigkeit der Inszenierung kann nicht jeden Theaterfreund überzeugen. Dennoch ein spektakulärer Bühnenspaß für das Publikum und ein erster Höhepunkt dieser Theatertage, ein Erfolg allerdings, der ohne eine ausgefeilte, höchst anspruchsvolle und wie geölt funktionierende Technik nicht denkbar ist. So gilt der lautstarke Beifall auch und gerade dem Technikteam des Carl-Orff-Gymnasiums. |