Jim Knopf wird abgeschoben. Wickie geht ins Gym und Pumuckl wird Ritalin gespritzt. Unsere Kindheit findet ein jähes Ende!! Wegen uns, wegen des Zeitgeistes, der weltpolitischen Gesamtsituation, … ja, warum eigentlich?
„In jedem Menschen liegt ein Kind, ob 9 Jahre alt oder 90. Und dieses Kind, das so verletzlich und ausgeliefert ist, das leidet und nach Trost verlangt und hofft, dieses Kind in uns bedeutet bis zu unserem letzten Lebenstag unsere Zukunft.“
Umgekehrt: Muss man wirklich Angst haben, sich selbst im Alter nicht mehr wiederzuerkennen? Schließlich tragen wir die Schichten jeden Lebensalters unter unserem gegenwärtigen Gesicht.
„Und gerade Morgendämmerung und Abenddämmerung färben doch den Himmel auf die gleiche Weise …“
Laut Naturwissenschaft soll einem ja die Welt mit steigendem Alter immer farbloser erscheinen. Doch keine Sorge, liebe Kinder der Midlife-Crisis: „Für mich,“ sagt Jason (19) mit all seinem gymnasialen Verstand, „ist auch in 45 Jahren Gelb noch immer die Farbe, die mir zeigt, dass Lebensfreude auch in den langweiligsten Tagen Platz hat – genauso wie das Lächeln all unserer Kindheitshelden!“
„Das ist nicht witzig!“
Am 19. und 20. März begegnet ab jeweils 19.00 im Jugendzentrum Gleis 1 in Lohhof ein Ich einem Ich und dann noch einem Ich und noch einem. Und bei allem Chaos, Streit und Egoismus lernen sich doch die Ichs gegenseitig und damit auch sich selbst ganz neu kennen und lieben.
Freuen Sie sich auf 80 Minuten schnell geschnittene Bilder, geistreiche literarische Zitate und Anspielungen, wilde Kostüme und chaotische Kulissen sowie einfühlsamen Livegesang (Peter Babirad) mit klassischer Gitarre (Manuel Schönauer) und Benedek Toth, Jonas Mall und Christian Zeiler als musikalisches Live-Trio von Rumba bis umba umba …
Auf Ihr Kommen freut sich, Michael Blum und die gesamte Oberstufen-Theatergruppe
P.S. Reservierung ist nur für größere Gruppen (unter theater@carl-orff-gym.de) erforderlich. Der Eintritt ist frei, Spenden herzlich willkommen.
Wer Theater als freiwilligen Wahlkurs wählt, weiß, dass es neben dem eigentlichen Schulalltag und Stress auch anstrengende Proben und großer Zeitaufwand bedeutet. Warum entscheidet man sich also trotzdem dafür?
Schule ist oft voll von Noten, Klausuren und Leistungsdruck. Man sitzt im Unterricht, aber sagt lieber nichts, aus Angst, etwas „Falsches“ zu sagen. Man lässt den Stoff, den man nach der Klausur sowieso wieder vergessen hat, einfach über sich ergehen. Dieses Gefühl, dass man so viel investiert und am Ende viel zu wenig zurückbekommt, ist frustrierend und bremst einen aus. Theater fühlt sich anders an.
Das liegt aber nicht daran, dass man nichts lernt. Im Gegenteil. Man lernt andere Dinge auf anderen Wegen und wir, die jetzt am Ende von unserer Schullaufbahn stehen, können sagen, dass sich das, was uns Theater gegeben und gelehrt hat, wertvoll anfühlt. Was auf der Bühne zählt, ist das Zusammenspiel mit den anderen, aber gleichzeitig auch der eigene, ganz persönliche Beitrag zum Stück. Theater bringt einem Dinge bei, die im normalen Unterricht oft zu kurz kommen: Selbstbewusstsein, Zusammenhalt und Empathie. Es ist auch ein Ort, um kreativ zu sein, wozu man sonst in der Schule oftmals nicht die Gelegenheit hat. Aus eigener Erfahrung können wir sagen: Was am Ende zählt, ist nicht nur ein tolles, individuelles Stück, sondern auch die besondere Gruppe und die tolle Zeit, die man zusammen erlebt hat.
Als wir in der fünften Klasse beschlossen haben, in die Theaterklasse zu gehen, hätten wir nie gedacht, wie sehr uns diese Entscheidung prägen würde – sowohl auf schulischer als auch persönlicher Ebene. Schon damals wurde aus unserer Klasse in kürzester Zeit eine echte Gemeinschaft. Frau Höcherl und Herr Blum haben es geschafft 30 kleine, schüchterne Kinder koordiniert auf eine Bühne zu bringen. Durch das Mittelstufentheater bei Frau Höcherl entwickelten wir uns weiter und bekamen immer mehr Spaß am gemeinsamen Theaterspielen. Das Gefühl, dass sich die Arbeit lohnt und am Ende etwas Schönes entsteht, kannten wir davor nicht.
2023 erhielten wir dann die einmalige Chance am südafrikanischen-deutschen Theateraustausch teilzunehmen. Am Anfang des Jahres flogen wir mit einigen ehemaligen Theaterschüler:innen des COGs nach Kapstadt, um ein Stück mit der Theatergruppe der Eersterivier Secondary School auf die Beine zu stellen. In den zwei Wochen in Südafrika sind wir alle an unsere Grenzen gekommen. Tägliches intensives Proben und die dauerhafte Auseinandersetzung mit den verschiedenen Kulturen sind zu einer der schönsten und gewinnbringensten Erfahrungen geworden. Das Gefühl dieses gemeinsam entwickelte Stück dann sogar noch beim Rückaustausch im Juli im Bürgerhaus vor all unseren Familien und Freunden aufführen zu können, war unbeschreiblich. In den nächsten zwei Jahren hatten wir die Möglichkeit unser Stück, gemeinsam mit den südafrikanischen Schülern, auf verschiedensten Theatertagen, wie beispielsweise in Friedrichshafen aufzuführen und wurden sogar aufgrund dieses Austausches, vom Bundespräsidenten ausgezeichnet. Dieser Austausch war eine einmalige und unglaublich prägende Erfahrung, aus der wir viel für unser Leben auch außerhalb des Theaters mitnehmen konnten, viele Freundschaften geknüpft haben und für die wir für immer dankbar sein werden.
Die letzten zwei Jahren belegten wir den Oberstufentheaterkurs als Wahlkurs. Dieses Jahr entwickelten wir gemeinsam unser Stück „Das ist nicht witzig!“, das sich mit dem Erwachsenwerden, unseren Kindheitshelden in der heutigen Zeit und dem Aufeinandertreffen verschiedener Generationen beschäftigt. Aus den ersten Ideen entwickelten sich nach und nach Szenen, die während einer intensiven Probenfahrt in der JBS zu einem Ganzen zusammengesetzt wurden. Im Gleis 1 wurde dann an den letzten Details gefeilt, bis wir es am 19. und 20. März endlich vor überfüllten Tribünen aufführen konnten. Die Probenzeit war fordernd und anstrengend, doch das Gefühl, etwas gemeinsam Schritt für Schritt zu erarbeiten, macht den Aufwand am Ende immer wett. Es sind wertvolle Freundschaften entstanden, und wir haben alle viel gelernt. In dem Stück steckt ein Teil von jedem von uns – und genau das macht es so besonders.
Jetzt ist unsere Theaterzeit am COG vorbei, aber uns bleiben noch die Erfahrungen und Erinnerungen, die wir hier die letzten Jahre gesammelt haben. Die vielen Jahre, die wir nun schon Theater spielen durften, haben uns so viel mitgegeben. Nicht nur im Hinblick auf Präsenz und Ausdruck, sondern auch Persönlichkeit und Empathie. Wir freuen uns für alle, die diese tolle Zeit noch vor sich haben.
Danke an Herr Blum und Frau Höcherl, dass Sie unsere Schulzeit so besonders gemacht haben. Wir werden Sie und das Theater sehr vermissen.
Lina Nägele und Paula Kusterer