Doublefeature im Gleis 1: 50 Schauspieler aus Mittel- und Oberstufe

 

Endlich – gespielte Gedanken über das Warten

Am 26. und 27. April um 19.30 Uhr im Jugendzentrum Gleis 1.

Um 19.30 Uhr begann die Theatergruppe der Mittelstufe unter der Leitung von Steffi Höcherl mit „Endlich – gespielte Gedanken über das Warten“, einer rasanten Eigenproduktion, die die Ungeduld der Deutschen witzig aufs Korn nimmt. Sie zeigten Menschen in typischen Wartesituationen, wie der Supermarktschlange, dem Wartezimmer oder an der S-Bahn, erzählten augenzwinkernd von dem unterschiedlichen Warteverhalten von Männern und Frauen und karikierten die Schrullen, die durch die Hetze im Alltag ausgelöst werden und nun in der Selbsthilfegruppe behandelt werden sollen. Im Kontrast dazu werden Menschen an einer Bushaltestelle in Brasilien gezeigt, für die Warten ein selbstverständlicher Zeitvertreib und Gelegenheit für soziales Miteinander ist.

Zusammengehalten wird diese lose assoziierte Szenenfolge von einem jungen Mann auf der Suche nach der großen Liebe, der zuerst zu lang wartet und dann beim Warten an der Bushaltestelle seine Liebe findet. Die fast 40 Spielerinnen und Spieler aus den Jahrgangsstufen 8 – 10 spielten diese kurzen Szenen mit großem körperlichen Ausdruck, setzten Techniken wie Zeitlupe und chorisches Spiel ein, bewegten sich einzeln und in verschiedensten Formationen und zeigten auch ihre Fähigkeiten im Tanz  – vor allem aber zeigten sie immer ihre große Spielfreude.

 

 

 

Fritz D. oder:  „Das Vergessen der Vernichtung ist Teil der Vernichtung selbst.“

Aufführungen am 26. und 27. April jeweils um 20.15 Uhr im Gleis 1.



 

Gehören ernste Themen nur in die Tagesschau?

Bittere Tatsachen höchstens in eine Erörterung? Die Wahrheit menschlichen Wahnsinns nur in den Geschichtsunterricht? Nein, sie gehören auf die Bühne, in die Öffentlichkeit.

Natürlich unterscheidet sich unsere Gesellschaft heute fundamental von der vor dem 2. Weltkrieg, selbstverständlich lassen sich viele der Diskriminierungen

heute nicht mit dem Massenmorden des Nationalsozialismus vergleichen.

Und dennoch gibt es erschütternde Verbindungslinien.

Und auch heute braucht es mehr Zivilcourage und Sensibilität

im Umgang mit Menschen, die anders sind, als wir sie haben wollen. Es gibt keine harmlose Diskriminierung. Wir haben keinen Grund, dieses unglaubliche Kapitel deutscher Geschichte abzuhaken. Im Nationalsozialismus sollte „alles Fremde, Schwache und Minderwertige verschwinden“ (Gerrit Hohendorf). Wie weit sind wir davon heute wirklich entfernt?

 

Sechs Theaterschülerinnen und -schüler der Jahrgangsstufe 11 und 12 zeigten in dem Stück „Minderheiten“ Szenen aus dem Leben des an Epilepsie erkrankten Fritz D., der 1941 als „unwertes Leben“ von den Nazis ermordet worden ist. Als einzigartige Dokumente sind Briefwechsel der Angehörigen mit der Klinik und Anstaltsdokumente erhalten, die der Oberstufentheatergruppe unter Leitung von Michael Blum als Textgrundlage diente. Zwischen den Szenen über Fritz D. spielten die Jugendlichen in Monologen aktuelle Texte aus Zeitungen oder von Mitschülerinnen, die den Umgang unserer modernen Gesellschaft mit Minderheiten spiegeln und zeigen, dass es in unserer Gesellschaft viel zu viel Diskriminierung gibt.

                                                                                                       

 
Mit Bildern von Musikern

 

 

Begleitet von Live-Musik, die von aktuellen und ehemaligen Schülern gespielt wurde, zeigten die sechs jungen Spielerinnen und Spieler große Ausdrucksstärke und emotionale Tiefe. Als einzige Objekte befanden sich verschiedene Leitern auf der Bühne, mit denen man mal einen Berg erklimmen konnte, die dann aber auch als Mauer diente, die Menschen voneinander trennt oder sie einzwängt und isoliert. So entstanden immer wieder neue  Bilder auf der Bühne. Die Dynamik des Spiels von langsamen Momenten zu akrobatischen Einlagen, die einprägsamen Standbilder, vor allem aber die spielerischen Fähigkeiten und authentische Darstellung der jungen Menschen und die Musikbegleitung ließ die eindringlichen Texte dem beeindruckten Publikum tief unter die Haut gehen.

 

 


 

 

 



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