Nationale Initiative Printmedien

2. Platz im bundesweiten Wettbewerb für die Unterstufentheatergruppe

Mit ihrem gefilmten Beitrag errang die Unterstufentheatergruppe den 2. Platz im Wettbewerb der Nationalen Initiative Printmedien und gewann eine Reise nach Berlin, wo im Bundeskanzleramt die Preisverleihung stattfand. Unter dem Wettbewerbsmotto: „Wie glaubwürdig sind unsere Medien“ hatten die Schülerinnen und Schüler der 5. – 8. Jahrgangsstufe in ihrem Beitrag auf die unterschiedliche Darstellung und auch Verfremdung von Ereignissen in verschiedenen Medien hingewiesen.
In seiner Laudatio lobte Jurymitglied Florian Gless, Ressortleiter bei der Zeitschrift „Stern“, dass die Jugendlichen „durchaus anspruchsvolle Zusammenhänge herausgearbeitet“ und diese mit „einem hohen Grad an schauspielerischer Qualität umgesetzt“ haben. So begeisterte die Jury beispielsweise die Darstellung einer Nachmittagsshow und die „feine Nachahmung der für solche Sendungen typischen Details“. Weiter lobte er, dass die Schülerinnen und Schüler aus Unterschleißheim ganz spielerisch die Erkenntnis herausgearbeitet hätten, dass es eben immer Bildung und Aufklärung braucht, um das was man in den Medien liest, hört und sieht richtig einordnen zu können.
Die 16 Schülerinnen und Schüler genossen das Lob und auch die Einladung ins Bundeskanzleramt in Berlin, das sie im Anschluss an die Preisverleihung noch besichtigen exklusiv besichtigen durften.

Laudatio

„Mann, wenn die das in der Zeitung schreiben, glaubt das doch jeder!“

So endet die letzte der drei eingereichten Szenen des Carl-Orff-Gymnasiums aus Unterschleißheim. Und bei der aller Naivität und bei aller Ironie, die aus diesem einfachen Ausruf spricht: So klar und kritisch begegnete der Jury nur in wenigen Beiträgen, worum es im diesjährigen Wettbewerb ging.

Denn auch, wenn wir alle wissen, dass natürlich nicht alles stimmt, was in der Zeitung steht, dass man nicht all das glauben darf, was täglich gedruckt, gesendet und programmiert wird – so wissen wir auch: Ein bisschen bleibt doch immer hängen. Dafür lieben wir Menschen zu sehr die gute Geschichte, ob sie nun stimmt oder nicht. Und es braucht durchaus Mut, gegen die kollektive Faszination über eine gute Geschichte aufzustehen und zu sagen: Aber so war das doch gar nicht!

Diese durchaus anspruchsvollen Zusammenhänge hat die Jahrgangstufe 5 bis 7 aus Unterschleißheim nicht nur vorbildlich herausgearbeitet, sondern auch mit einem hohen Grad an schauspielerischer Qualität umgesetzt.

Drei gefilmte Spielszenen wurden der Jury zur Verfügung gestellt, immer ging es um den selben Sachverhalt: Ein Mädchen wird auf dem Schulhof von einer Gruppe Mitschülerinnen angepöbelt und beleidigt, als es flieht, stolpert es und stürzt.

Das Ereignis ist gravierend genug, um in den Medien Widerhall zu finden. Eine als seriös bekannte Tageszeitung berichtet ziemlich genau entlang der Tatsachen. Und erlauben Sie mir eine persönliche Zwischenbemerkung: Als Journalist habe ich mich natürlich sehr gefreut zu sehen, wie die Menschen im Bus um die Süddeutsche Zeitung ringen. Das ist ja unsere Hoffnung, dass wir mit Qualität und hoher Glaubwürdigkeit auch in Zukunft möglichst viele Menschen erreichen werden, ja, dass die sich unsere Produkte aus den Händen reißen werden…

Die zweite Szene zeigt, wie eine Nachmittags-Talkshow im Fernsehen das Ereignis vom Schulhof aufgreift. Hier hat die Jury die hohe darstellerische Qualität und die feine Nachahmung der für solche Sendungen typischen Details begeistert. Wenn eine fast kreischende Mitschülerin, die mit reinen Fantasiegeschichten die Aufmerksamkeit auf sich ziehen will, mit Blick auf das gemobbte Mädchen am Ende fragt: „Wer ist Kati? Wer liegt im Krankenhaus?“ – dann bleibt dem Zuschauer das Lachen im Halse stecken. Großartig fanden wir auch, wie hier der Drang junger Menschen, in den Medien sich selbst zu produzieren, auf die Schippe genommen wird.

Schließlich dann – entschuldigen Sie, Kollege Eichinger! – die BILD-Zeitung. Aus dem Mobbing ist ein Mordversuch geworden, mit Schädelbruch und künstlichem Koma. Soweit, möchte ich sagen, würde heute wohl auch die BILD-Zeitung nicht mehr gehen, aber dennoch zeigt dieses krasse Beispiel die Mechanismen des Boulevard-Journalismus: Ein Mordversuch bedient die Lust der Menschen am täglichen Thrill natürlich besser als ein auf der Flucht gestolpertes Mädchen.

Über dem Schreibtisch meines ersten Ressortleiters beim SPIEGEL hing, auf ein DIN-A-4-Blatt getippt, der böse Spruch: Dont’t mind the facts, push the story! Kümmer dich nicht um die Tatsachen, treib die Geschichte voran! Diese tägliche Verlockung kennt jeder Journalist hier im Saal, geben wir es ruhig zu. Es ist unsere Verantwortung, ihr zurückzutreten, auf unsere Recherche zu blicken und zu fragen: War es wirklich genau so?

Da draußen, bei unseren Lesern, Hörern und Zuschauern, gibt es offenbar genügend Menschen, denen eine gute Geschichte reichen mag, ob sie nun stimmt oder nicht, für die ein Klatsch-Magazin oder eine Nachrichtentalkshow vor allem der Unterhaltung dient und weniger der Information. Medien liefern eben nicht nur Qualität-Journalismus. Auch diesen Sachverhalt habe die Schülerinnen und Schüler aus Unterschleißheim ganz spielerisch betont: Nicht alles, was man schwarz auf weiß nach Hause tragen kann, ist auch Information. Und es braucht Aufklärung und Bildung, um immerfort den Unterschied zu erkennen – und um das, was man liest, hört und sieht, richtig einordnen zu können.

So viel Erkenntnis in knapp zehn Minuten Videofilm – das war der Jury der zweite Preis im diesjährigen Schülerwettbewerb der Nationalen Initiative Printmedien wert. Herzlichen Glückwünsch an die Jahrgangstufe 5 bis 7 des Carl-Orff-Gymnasiums in Unterschleißheim!



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