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Eigenproduktion mit Texten von Ovid und Johann Wolfgang von Goethe

Schule: Michaeli-Gymnasium München
Gruppe: Mittel- und Oberstufentheatergruppe
Leitung: Maria Teuber
Aufführung: 26. Juli 2010, 19:30 Uhr, COG

Beschreibung:

Unsere Eigenproduktion ist eine Bild-, Text-, Klang- und Musikcollage mit Versatzstücken aus den unterschiedlichen Medien.

Wir zeigen einen “Theaterclip” zu elementaren Fragen des Menschseins. Literarisch wird ein weiter Bogen von der biblischen Vertreibung aus dem Paradies über Homers Sirenen, Ovids Metamorphosen (Raub der Proserpina) und Ars amatoria bis hin zu Goethes Monodrama Proserpina gespannt.

Proserpina und Pluto sind einem saisonalen Wechselspiel ausgesetzt. Sie wandern zwischen den Welten. Die Parallelwelt zeigt sich als Gedankenspiel, sehnsüchtiges und bedrohliches Traumtableau oder als Bereitschaft, in eigene Tiefen hinabzutauchen.

Die Dramaturgie ist bewusst offen angelegt und bedient sich filmischer Arbeitsweisen. Es gibt Rückblenden, Überlagerungen, unterschiedliche Rhythmen und Soundtracks.

Die Musik ist eigens für unsere Produktion komponiert, wobei wir beim Frühlings- und Sirenen-Gesang Stücke finnischer Gruppen arrangiert haben. In der Besetzung der Live-Musik stehen Schlagwerk und Bläser für das feurige Element, Vibraphon und Klavier für das Element Wasser, Gitarre und indisches Harmonium runden den Klang ab. Der musikalische Einsatz der Stimme geht vom rhythmisierten chorischen Sprechen, über Proserpinas einleitendes wortloses Lamento bis zum mehrstimmigen Gesang. Eine weitere musikalische Ebene bilden computergenerierte Sample-Soundtracks.

Theaterkritik:

Von Anfang an in den Bann der Sinnenreize dieser Inszenierung gezogen, bleibt dem Publikum am Ende nur basses Staunen. Die Aufführung sea.sons@nd daughters des Michaeli-Gymnasiums aus München, eine Collage aus Goethes “Proserpina” und Ovids “Metamorphosen” bzw. “Raub der Proserpina” sowie einigen weiteren Texten, überzeugt vor allem durch die Kombination aus Video- und Musikeinspielungen, sowie durch ausdrucksstarke Choreographien und Regieeinfälle.

Der Theatergruppe gelingt es, durch Mischung aktueller Themenstellungen mit Zitaten aus klassischen Texten aus dem Umfeld des Proserpina- und Demeter-Mythos und durch technisch mediale Kabinettstückchen schließlich sogar die Allgegenwärtigkeit der “Genderfrage” darzustellen. So entsteht ein durchaus faszinierend collagiertes Stück, in dem die Texte nie bloß aufgesagt wirken, sondern im Kontext einfallsreicher, witzig mit allen denkbaren Medien – sogar dem iPhone- spielenden Gestaltungselementen eine mitreißende und überzeugende Aufführung zustande bringen. Ovid wird lässig zitiert, Goethes Faust zuerst herbeigeredet, dann beschimpft, das Internet befragt, bis schließlich Zeus die Jahreszeiten, den Gang der Welt, so eingerichtet hat, wie wir ihn kennen.

Zusätzlich zur schauspielerischen Leistung müssen auch die Musiker, Komponisten und vor allem die Sänger/-innen bewundert werden; die opernartig zugespielte Musik untermalte nicht nur die Szenen, sondern verleiht ihnen eine zusätzliche Bedeutungsebene, die auf der Charakteristik der Instrumente (Bläser, Saiteninstrumente etc.) beruht und die Jahreszeiten symbolisiert.

Manch ein Zuschauer ist von den literarischen Elementen, die nicht immer mit der gewünschten Textverständlichkeit dargeboten sind (Ausnahme: die wunderbare Darstellerin der Demeter) überfordert. Die überbordende, oft in den Vordergrund tretende Mediengläubigkeit der Inszenierung kann nicht jeden Theaterfreund überzeugen. Dennoch ein spektakulärer Bühnenspaß für das Publikum und ein erster Höhepunkt dieser Theatertage, ein Erfolg allerdings, der ohne eine ausgefeilte, höchst anspruchsvolle und wie geölt funktionierende Technik nicht denkbar ist.

So gilt der lautstarke Beifall auch und gerade dem Technikteam des Carl-Orff-Gymnasiums.

Bildergalerie:



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