Rumpelstilzchens Rache

Aufruhr im Märchenwald

Eigenproduktion frei nach den Gebrüdern Grimm

Schule: Gymnasium Wertingen
Gruppe: Unterstufentheatergruppe
Leitung: Barbara Meyer
Petra Wohlrab
Aufführung: 26. Juli 2010, 10.30 Uhr, JSS

Beschreibung:

Dem Rumpelstilzchen ist es zu langweilig geworden. Als Computervirus getarnt bringt es die Märchenwelt ganz schön ins Wanken. Nichts ist mehr, wie es war. Schneewittchen und die Stiefmutter vergnügen sich beim Shoppen, die Großmutter zockt gegen den Wolf und den Jäger, sieben Zwerge sind arbeitslos geworden und Dornröschen ist schon auf dem Sprung nach Hollywood.
Mit kräftiger Unterstützung zweier Schüler macht sich das Rotkäppchen auf den Weg, die Märchenwelt wieder ins Lot zu bringen. Ob das gelingen mag?
Die neu gegründete Unterstufentheatergruppe des Gymnasiums Wertingen zeigt das Erstlingswerk ihrer Lehrerinnen Petra Wohlrab und Barbara Meyer.

Theaterkritik:

Eine fast bitterböse Märchenpersiflage der Unterstufler vom Gymnasium Wertingen. Eine abgedrehte Reise im Zeitraffer durch entfremdete und kreativ bearbeitete Motive. Immer mit dabei auf der Strecke die gute Unterhaltung. Richten wir etwa das Merk unserer Augen auf Frau Holle. Zu einer zeitungslesenden „Ratschkattls“ ist sie geworden, die skurrile Missstände im Märchenwald betrauert.

Der Hänsel und Gretel, total abgestürzt. Erscheinen als trinkende Zocker, ohne jede Perspektive. Selbst der große böse Wolf hat keinen „Bock“ mehr auf ein anständiges Arbeitsleben, viel lieber „haut auch er sich die Hucke voll“, als dem arglosen Rotkäppchen aufzulauern, das so gar nicht zurecht kommt mit den sozialen Veränderungen in der Märchenwelt. Das „Hascherl“ besteht doch tatsächlich darauf, gefälligst gefressen zu werden- typisch deutsche Ordnungsliebe halt.

Naja, zum Glück sind auch Gegenkräfte da, etwa die Kampflieder singende Arbeiterfront der sieben Zwerge; eine Besonderheit des Stückes. Man scheut sich nicht, auch mal zu singen, sehr zur Freude gerade jüngerer Zuschauer. Jene entwickelten eine besondere Zuneigung zum Charakter des modernisierten Rumpelstilzchens, das sich vom Backen und Brauen, auf Hacken und Checken verlegt hatte. Man geht halt mit der Zeit!

Bedenkt man gerade das Alter der jungen Wertinger Gymnasiasten, ist ihre spielerische Leistung durchaus erstaunlich. Viel stimmliche Modulation und große Spielfreude in den slapstick-lastigen Szenen, da blieben nur wenige Augen trocken. Wie auch, bei der Bearbeitung so alter deutscher Literatur, der man seinen Zeitgeist einhauchte. Ein gelungenes Stück, lustvoll inszeniert.

Bildergalerie:



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