Das Schloss

frei nach Franz Kafka

Schule: Gymnasium Kirchheim
Gruppe: Grundkurs „Dramatisches Gestalten“
Leitung: Robert Grimbs
Aufführung: 27. Juli 2010, 9:00 Uhr, JSS

Beschreibung:

„Kafkaesk“ ist ein gruseliges Adjektiv, leider ist es hochaktuell. Auch wenn jemand nie Kafka gelesen hat, weiß er, dass es dabei um Unheimlich-Anonymes, um Unheilvoll-Undurchschaubares geht, gegen das sich ein Einzelner nicht wehren kann. Kafka ist seit circa 85 Jahren tot, das Kafkaeske hat sich aber im Finanzwesen des 21. Jahrhunderts ins Unermessliche gesteigert.

„Das Schloss“ ist einer von nur drei Romanen, die Kafka geschrieben hat. Aus der Textfülle haben wir wenige Szenen ausgewählt, die uns die Grundstimmung besonders prägnant wiederzugeben scheinen. Dabei wollten wir keine Geschichte erzählen, sondern diese Stimmung in mehr oder weniger abstrakte optische und akustische Bilder übersetzen. Die Tatsache, dass nicht nur der Protagonist K., sondern alle beteiligten Figuren, auch die vermeintlich Mächtigen, in einem undurchschaubaren Netz verstrickt sind, versuchen wir dadurch spürbar zu machen, dass alle Spieler das ganze Stück lang blind agieren.

Theaterkritik:

Harter Tobak, was uns der Grundkurs „Dramatisches Gestalten“ vom Gymnasium Kirchheim abliefert!

Schon die Romanvorlage von Franz Kafka ist recht trocken. So stellt sich sofort die Frage, ob sich dieser sperrige Text – gar von einer Schultheatergruppe – spannend adaptieren bzw. neu interpretieren lässt. Nach dem, was wir gesehen haben: Eher nicht. Die Textverständlichkeit ist gegeben, wurde gar übertrieben, indem man die Sätze zigfach wiederholte. Die Kulisse ist recht sparsam aufgebaut, gleichfalls die eingesetzten Requisiten. Da sind einfach Holzbalken zu einem 2 Meter-Rechteck zusammenmontiert.

Die Koordination der Darsteller ist schwer zu erkennen, sie wirken zuweilen verloren auf der großen Bühne, was eher kein Wunder ist: Sie agieren während des kompletten Stücks blind. Und das ist wohl genau das, was sich der Leiter Robert Grimbs dabei gedacht hat.

Das Stück soll das Chaos und die Blindheit für die Folgen des eigenen Tuns symbolisieren, die aktuell in der Finanzwelt herrscht. Hier blickt keiner mehr so wirklich durch, die Folgen für uns alle sind unabsehbar.

Nach eigener Aussage wollen die Protagonisten „keine Geschichte erzählen, sondern diese Stimmung in mehr oder weniger abstrakte optische und akustische Bilder übersetzen.“ Das ist ihnen auch vortrefflich und überzeugend gelungen. Ob das nun schön anzuschauen ist, das muss angesichts der Problemstellung die andere Frage bleiben. Gerade bei einer theatralischen Konkurrenz, die mehr auf Unterhaltungswert und Spaß setzt, war es schwierig, sich mit diesem doch recht schwierigen Stück in die Publikumsgunst zu spielen.

In jedem Fall hat das anspruchsvolle Publikum die Ensemble-Leistung anerkannt und mit freundlichem Beifall belohnt. Es muss auf unseren Bühnen auch Platz sein für Inszenierungen, die ein wenig anders sein wollen!

Bildergalerie:



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