VerbrechTen

Das VerbrechTen schläft nie – ein Stück von Räubern und Huren

frei nach John Gay

Schule: Gymnasium Gars
Gruppe: Theatergruppe
Leitung: Inga Hauser, Maie Müller
Aufführung: 25. Juli 2010, 20.45 Uhr, JSS

Beschreibung:

Wie kommt man denn, bitte, auf so einen Stoff? Ganz einfach: Danke an Bertolt Brecht & Erben und den Suhrkamp-Verlag, die uns geholfen haben, dass wir das schräge Stück für uns entdecken konnten.

Was uns daran so reizt: Die Ehrlichkeit beim Lügen. In diesem Gauner-Milieu weiß wenigstens jeder, dass er dem anderen nicht über den Weg trauen darf. Dementsprechend geht man auch nett miteinander um, ob Zuhause, bei der Behörde, im Bordell, im Gefängnis, in der Spelunke. Es könnte ja sein, dass man den anderen und seine Beziehungen noch braucht, eine Hand wäscht die andere, jeder ist sich selbst der Nächste und des einen Freud ist des anderen Leid, aber hoffentlich bin ich nicht der Letzte in der Reihe… Das klingt zynisch, ja? Soll es aber nicht, ganz im Gegenteil. Was wir nicht wollen: der Welt erklären, was das ist, was in uns lügt, stiehlt, hurt und mordet. Das sollen andere tun und daraus eine Oper machen. Aber abgesehen davon, dass es natürlich viel mehr Spaß macht, so richtig unmoralisch zu sein, sehen wir ja, dass das Ganze böse enden muss.

Unsere Gruppe besteht aus 17 SpielerInnen aus den Jahrgangsstufen 9 bis 13, die schon über einige Spielerfahrung verfügen. Der späte Aufführungstermin im Jahr (Mitte Juli) gibt uns viel Zeit, uns nach ausgiebiger Grundlagenarbeit dem Stück zu widmen, das erst im Theaterworkshop (Ende Februar) erste Konturen bekommt. Wir versuchen diesmal die leidigen Blacks bei den Szenewechseln zu umgehen, indem gleich von Anfang an alle und immer auf der Bühne sind. Und vom Genre „Oper“ sind, wenigstens da haben wir uns an die Vorlage „Bettleroper“ gehalten, eher ärmliche Reminiszenzen übrig geblieben: ein paar Musikinstrumente, ein paar Textfetzen, selbst produzierter Sound.

Bildergalerie:

Theaterkritik:

Als „Ein Stück von Männern und Huren“ gab die Theatergruppe des Gymnasiums Gars Fragmente aus John Gays Fassung „Beggat’s Opera“ zum Besten. Anklänge an Brechts Bettleroper waren nicht zu übersehen. Schwer verführerische Damen, die bedeutungschwere Blicke tauschen, bespielen eine kahle Bühne. Coole Jungs zupfen lässig die Gitarren, fixieren die Objekte ihrer Begierde, die Frau.

Frauen sind in diesem Stück sehr sinnliche Wesen, die – allzu oft – ohne Worte auskommen. Sie äußern sich gurrend, ächzend, stöhnend, säuselnd, girrend, zischelnd. Sieht so Verführung aus, hört sie sich so an? Fehlt der Frau die Macht des Worts?

Aus wenigen Satz-Fragmenten bauen sich, aufschäumend und als leere Blasen wieder zusammensackend, Eifersuchts- und Leidenschaftsdramen auf, die sich auf das bekannte Personal konzentrieren: Den Bettlerkönig Peachum, Mackeath, Polly und Lucy. In vielen spannugsgeladenen Pausen, in denen das Bühnenbild zum Tableau gerinnt, das an Szenen aus dem Freudenhaus erinnern will, stellt sich heraus: Liebe ist nur doch nur ein leerer Satz: „Ich habe dich vermisst!“ – ist das Motto dieser Menschen. Eine Schöne im Rollstuhl bleibt rätselhaft im Chor der Frauen. Auch sie zischt.

Die Männer sind eher doofe Machos, die Männerwitze mit obligatorischen Männergesten machen und sich Ritualen der Männlichkeit erschöpfen. Ein Pistolenduell ist bei ihnen lächerlich, vor dem Hintergrund verfühererischer Vamps sind die am Ende die Verlierer im Krieg der Geschlechter. Mackeath wird am Schluss gehenkt, einer Intrige der Genossen zum Opfer fallend. Der Mann ist der Feind. Es siegt das Weib.

Was von allem bleibt, ist ein Gerücht: „Hast du schon gehört…?“ Kurzer, herzlicher Beifall, erleichterter Jubel hinter der Bühne.

 



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